Kaltstall: Artgerecht und energiesparend
Hohenlieth (bl,tr)
Rund 80 interessierte Menschen kamen zum Richtfest und ließen
sich das innovative Konzept der Schweinehaltung in Hohenlieth erklären.
Sieben Richtkronen hängen am Dachbalken. „Na, wenn das kein Glück
bringt“, sagte Stefan Trippel. Der 38-jährige Landwirt feierte am
Freitag Richtfest für den neuen Schweinestall. Rund 80 Nachbarn, Freunde
und die Familie kamen, um mit dem jungen Landwirt die erste Etappe seines
Konzeptes einzuweihen. Von konventionell kann bei diesem Stall, einem so
genannten Kaltstall, nicht die Rede sein. Das Konzept ist zumindest in
Schleswig-Holstein bis jetzt einmalig. Im Süden Deutschlands gäbe
es zumindest ähnliche Varianten, meint Trippel.
Die Entwicklung des Konzeptes hat einige Zeit gedauert. Aufmerksam
geworden auf diese Art der Großgruppenhaltung ist der gebürtige
Rendsburger bei der Lektüre von Fachzeitschriften. Mit der endgültigen
Planung begann Trippel im Herbst 2000, mit dem Bau startete man im September
2001.
Das Besondere an einem Kaltstall ist seine Bauweise. Auf der Wetterseite
seien Jalousien zum Schutz vor Regen und Wind. Auf der anderen Seite werde
ein so genanntes Spaceboard angebracht, so Trippel. An der Wand sind Latten
derart angebracht, dass dünne Schlitze dazwischen sind. So komme immer
frische Luft in den Stall, aber es herrsche kein Durchzug, meinte der Landwirt.
Der Vorteil sei, so der 38-Jährige, dass keine Energiekosten anfallen.
Sogar für die Wärmezufuhr sei gesorgt: Die Aufteilung drinnen
wäre zu 60 Prozent Strohfläche zur Beschäftigung der Tiere
und als Wärmeisolierung. Die restlichen 40 Prozent umfassen eine Spaltenfläche
im Fressbereich. Schmale Schlitze im Boden sorgen dafür, dass Fäkalien
hindurchgetreten werden. Unter dem Boden sei zudem ein Kanal mit einem
Mistschieber, auf diese Weise werden die Fäkalien regelmäßig
ausgekehrt. Der Strohbereich wird nur einmal am Ende eines Durchganges,
d.h., wenn alle Schweine verkauft sind, ausgemistet.
Auch die Fütterung verläuft nach modernstem Standard ab.
Bevor die Schweine an die Futterstelle kommen, passieren sie eine Waage.
So werden sie ohne Zeitaufwand sortiert. Tiere mit Normalgewicht bekommen
energiereiche Nahrung, zu fette Tiere werden in den Futterbereich mit ballaststoffreicher
Kost geführt. Überschreiten Tiere das optimale Gewicht von 117
Kilogramm, können sie verkauft werden. Das Futter kommt aus einem
so genannten Breiautomaten. Die Schweine nehmen sich Nahrung und Wasser
nach Bedarf. Das Konzept der Waage hat sich Stefan Trippel aus Holland
abgeguckt, die Bauweise des Stalles stamme aus Süddeutschland, so
der junge Landwirt. Der Stall ist für zweimal 250 Schweine konzipiert.
Mit dem Bau wolle man im Juni fertig sein. Die geplanten Kosten belaufen
sich auf rund 178952 Euro.
Gefördert wird der Bau allerdings nicht, obwohl es sich hierbei
um eine besonders artgerechte Tierhaltung handelt. „Wir nehmen lediglich
eine Bestandserweiterung vor. Stallungen mit insgesamt 864 Plätzen
bleiben weiterhin erhalten“, so Trippel. Bei einem Umbau beziehungsweise
einem Neubau mit Abriss alter Stallungen wären Fördergelder geflossen,
so der Quereinsteiger. Stefan Trippel wagte vor vier Jahren einen Schritt,
der mit vielen Risiken verbunden war. 1998 hing er seinen sicheren Job
als beratender Ingenieur für Computersoftware an den Nagel und wurde
Landwirt. Die Begründung: Trippel wollte endlich sein eigener Herr
sein, eine eigene Firma leiten und abends sehen, wofür man den ganzen
Tag geschuftet hat.
Dass er sich der Landwirtschaft zuwandte, war kein Zufall. Lebensgefährtin
Hilke Rades kannte sich nur zu gut aus in dieser Branche, denn ihr Vater
ist ein erfahrener Landwirt. Der studierte Maschinenbau-Ingenieur drückte
noch einmal für ein Jahr die Schulbank auf der Landwirtschaftsschule.
Es folgte ein einjähriges Praktikum auf dem Hof seines Schwiegervaters
und im vorletzten Jahr unterschrieb er den Pachtvertrag für seinen
jetzigen Hof in Hohenlieth.
Die Zukunft sieht er optimistisch, mit etwas gesundem Menschenverstand
und den Fachkenntnissen der Familie habe bis jetzt alles sehr gut funktioniert,
so der Schweinemäster.
Erschienen in der Eckernförder Zeitung am 09.04.2002